Lily Allen
Lily Allen
Gedanken eines Popstars
Popstars sind doof und lassen sich von der Presse ausweiden. Das stelle ich mir so vor. Aber es gibt noch Interviews, die neue Aspekte über eine Person ans Licht bringen. Selbst dann, wenn die Popgöre den Namen Lily Allen trägt. Sie verkörpert für mich eine Art Popsternchen, das in zwei Jahren keiner mehr kennt. Das sieht sie genau so.
Die Welt Online sprach mit der grössten Hoffnung der britschen Popszene über ihr Schaffen sowie ihrer Hassliebe zur Öffentlichkeit. Dem Vernehmen nach wollte sich Lily Allen mit dem Erlös der ersten Scheibe ein Haus in London kaufen. Doch offenbar zu wenig, um ihre eigenen vier Wände nahe Queen's Park gänzlich abzubezahlen.
Dies auch der Anlass, weshalb sie ihr neustes Album "It's Not Me, It's You veröffentlicht hat. Der Interviewpartner montiert, dass der Grund ihres Schaffens wohl lieber in künstlerischen als finanziellen Anliegen zu finden sein sollte. Doch Lily regt mit ihrer Antwort zum Nachdenken an: "Ich liebe Musik und nehme meine eigene sehr ernst, aber um sie verkaufen zu können, muss ich mich den Marktgesetzen beugen. Dabei bin ich bemüht, mich selbst nicht zu verleugnen, was an sich schon wie ein Widerspruch klingt. Andererseits frage ich mich, warum Sie jetzt so tun, als ob Ihnen das völlig fremd sei. Das Popgeschäft funktioniert nun mal so, und in gewisser Weise hasse ich es dafür."
Auch das Thema Drogen darf bei einem Interview mit einem Popstar auf keinen Fall fehlen. Denn vor einiger Zeit wurde Lily in der britischen Presse mit der Aussage zitiert, dass Drogen nicht töten. Das Verhalten der Medienhäuser führt das Sternchen auf ihren Song "Everybody's At It" zurück. Das Zitat sei vor allem durch konservative Blätter völlig aus dem Kontext gerissen worden. "Ich habe auf die Verlogenheit solcher Moralprediger aufmerksam machen wollen. Wie viele von denen die Nase im Schnee haben, wird natürlich nie geschrieben. Wenn allerdings die Leute meiner Generation mit Koks erwischt werden, ist das moralisch verwerflich", klagt Lily.
Auf die Frage hin, ob sie nicht schonmal selbst mit konservativen Redakteuren gekokst hat, erwidert Lily, dass sie als liberaler Mensch diesen Gedanke ziemlich widerlich fände. "Ich nutze sie nicht mal für meine Karriere, sondern sie nutzen mich als Headline-Girl um ihre Blätter besser verkaufen zu können. Wissen Sie, was das Schlimme an alten, reichen Säcken ist? Sie machen Publicity gegen die Schande, die meine Generation in ihren Augen darstellt, tun aber nichts für uns", erklärt die Sängerin.

Aufgetakelt posiert Lily Allen für einen Glamour Shot.
Nun könnte man sich die Frage stellen, ob vielleicht die liberale Gesellschaft an all dem schuld ist. Selbst auf eine derart gesellschaftsphilosophische Frage weiss Lily eine Antwort zu geben. Zwar seien die Gesetze für Frauenrechte und Schwule liberaler geworden, aber im Gegenzug würde nahezu jede Form von Vergnügen und Selbstbestimmung per Gesetz zunehmend eingeschränkt. Lily konkretisiert den Gedanken: "Fatal daran ist, dass viel zu viele Leute wild applaudieren, wenn Medien, Politik und Wirtschaftsbosse eine Symbiose eingehen und aus kerngesunden Menschen Rekruten für ihre raffgierigen Planspiele machen." Zwar seien die Menschen ihrer Ansicht nach nicht per se dumm, sondern liessen sich nur dumm machen.
Und wer ist an der Volksverdummung mal wieder Schuld? Genau, die Medien. "Seitdem ich scheinbar von öffentlichem Interesse bin, glaube ich grundsätzlich gar nichts mehr, was in den Nachrichten stattfindet. Alles ist politisch gefärbt, um Angst zu verbreiten oder um moralische Standpunkte zu verkaufen, die schlichtweg bigott sind. Ich weiss, wovon ich rede, weil ich mich in der Berichterstattung zu meiner Person nicht wieder erkenne", sagt Lily.
Und noch etwas wichtiges verrät uns das clevere Popsternchen. Lily möchte, alsbald sie einen tollen Mann gefunden hat, mit dem sie dann auf dem Land Kinder grossziehen kann, aus dem öffentlichen Leben verschwinden. Zur Finanzierung dieses Landhauses ist natürlich ihr zweites und vielleicht letztes Album gedacht. "Das wunderbare an der Popwelt ist ja, dass ständig neue Rekruten zur Vermarktung bereit stehen, so dass es gar nicht auffällt, wenn ein Quergeist wie ich fehlt", sagt Lily. Aber bis das soweit ist, möchte sie noch den Leuten, die es verdient haben, ein Dorn im Auge sein.
Bleibt nur zu hoffen, dass wenn selbst ein Popstar wie Lily Allen den Herzschlag unserer Zeit enttarnt, die Gesellschaft es ihr eines Tages gleichtut.
Quellenangabe: babble.com