En la cama
En la cama
Film (2005 «Chile» / Drama)
Ein Motelzimmer in Chile. Ein Mann, eine Frau und hemmungsloser Sex. Ein One-Night-Stand wie aus dem Bilderbuch. Oder eben doch nicht? Mit „En la cama“ gelang dem wohl jüngsten Kult-Regisseur, Matías Bize, der internationale Durchbruch. Noch nie waren sich Mann und Frau bei einem ONS so nahe und dennoch fast schon beklemmend weit entfernt.
Am Anfang stand der Akt. Diese rein körperliche Nähe zu Beginn des Films weicht blitzschnell einer seelischen Distanz. Als Bruno (Gonzalo Valenzuela) von Daniela (Blanca Lewin) ablässt, kennen die beiden nicht einmal ihre Vornamen. Das ärgert die beiden Fremden bei der Zigarette danach. Der One-Night-Stand wird weitestgehend so definiert, dass zwei einander nicht näher bekannte Personen, ohne Absicht auf eine längere emotionale Bindung zu einer kurzen sexuellen Begegnung zusammentreffen. Kann ein ONS aber dennoch kompliziert werden? Ja er kann.
Um die Zeit bis zum Morgengrauen passabel über die Runden zu bringen, tauschen die beiden Schönlinge ein paar Floskeln. Sie erzählen sich, welche Comic-Figur dem Gegenüber am nächsten kommt oder wie das Zielpublikum eines Filmes definiert wird. Aber auch frühere Beziehungen kommen im Laufe des Morgens zur Sprache. Nachdem die beiden bereits vor dem One-Night-Stand ihre Hüllen fallen gelassen haben, enthüllen sie im Verlauf des Gesprächs unaufhaltsam ihre Seelen. Je mehr die beiden Protagonisten von sich preisgeben und voneinander wissen, desto komplexer und verbindlicher wird das einst unverbindliche Abenteuer.
Kaum glaubt der Zuschauer, man wird Zeuge einer aufkeimenden Beziehung, reissen Widersprüche, Unwahrheiten oder unliebsame Enthüllungen die beiden auseinander. Doch alsbald man glaubt, die Hürden sind nun unüberbrückbar, führt ein Geständnis die beiden wieder nah aneinander heran. Dieses Wechselbad zwischen Sympathie und Antipathie sowie Nähe und Distanz sind unverkennbar für dieses Meisterwerk. Zwar ist der Film vollbepackt mit erotisch prickelnden Szenen, doch bleibt das Hauptaugenmerk vom Regisseur Bize nicht beim Akt, sondern bei dem immer tiefgründiger werdenden Gespräch zwischen den beiden Fremden.

Der chilenische Regisseur Matías Bize.
Könnte dank dem 1979 in Santiago geborenen Matías Bize Chile zur nächsten Filmhochburg aufsteigen? All das, was uns Hollywood mit seinen Blockbustern nicht schenken kann, ist in „En la Cama“ zu finden. Ausschliesslich zwei überragende Schaupieler, ein Motel als Kulisse sowie ein prickelndes Drehbuch von Julio Rojas reichten dem jungen Regisseur für 85 Minuten Kino vom Feinsten. Unzählige Kinogänger zeigten sich vom US-Spielfilm „Phone Booth“ überrascht, da sich der Handlungsstrang hauptsächlich in einer Telefonkabine in New York abspielt. Doch im Vergleich zu „En la cama“ sorgen dort unzählige NYPD-Cops für Dramatik und jede Menge Special Effects für Spannung. All das gelingt dem chilenischen Film mit lediglich zwei Darstellern und einer Kulisse. Blanca Lewin und Gonzalo Valenzuela sind eindeutig über sich selbst heraus gewachsen und geizen nicht an Intimität.
„Was würde man nicht Bezahlen um zusehen, was zwei Fremde nach einem Abenteuer in einem Motelzimmer reden oder tun“, fragt Bruno im Verlauf des Filmes. Dem Schweizer Zuschauer kostet das lediglich 24.90 Franken.
Produktionsnotizen
Der Regisseur Matías Bize widmet sich nach seinem vielfach preisgekrönten Regie-Debüt „Sábado – Das Hochzeitsvideo“ in seinem neuesten Film „En la cama“ der Begegnung zweier Fremder. Mit diesem Film ist Bize eine intensive, subtil ausbalancierte Liebesgeschichte gelungen, die das kleine Drama zweier Menschen zeigt, die sich bei aller körperlichen Anziehung und seelischen Nähe nicht finden können. Mit „En la cama“ erinnert uns Bize daran, dass sich auch die banalsten Gespräche und Momente in das grossartigste Abenteuer verwandeln können, wenn ein anderer Mensch uns zu verzaubern vermag.
„En la cama“ wurde auf zahlreichen internationalen Festivals in Cuba, Chile, Ecuador, Frankreich, Portugal und Spanien mehrfach mit Kritiker- und Publikumspreisen ausgezeichnet. Unter anderem gewann er bei den Rencontres Cinémas d’Amérique Latine in Toulouse den Publikumspreis und den 1. Preis bei der Semana Internacional de Cine de Valladolid. Ausserdem war „En la cama“ der chilenische Oscar-Beitrag im Rennen um eine Nominierung in der Kategorie „Bester nicht-englischsprachiger Film“. Ebenso wurde „En la cama“ vorgeschlagen für den spanischen Filmpreis Goya.
Crew
Matías Bize (Der Regisseur)
Blanca Lewin (Daniela)
Gonzalo Valenzuela (Bruno)
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