Do it like Sully
Do it like Sully
Medien: Ist das noch ethisch?
Ein Redaktor einer namhaften Tageszeitung findet auf einer Onlinespiel-Plattform ein Game, das dem Spieler erlaubt, einen Airbus A320 auf dem Hudson notzuwassern. Wie bei einem Triebwerksbrand heulen beim Journalisten sofort die Alarmglocken auf. Das ist doch ethisch verwerflich, heisst es im anschliessenden Artikel.
Bis vor kurzem durfte die Weltbevölkerung glauben, dass ein Journalist während der Ausübung seiner Tätigkeit mehr recherchiert, als sich auf einer der unzähligen Onlinespiel-Plattformen ins nächste „Level“ kämpft. Doch dieser Mythos gehört zumindest bei einer Zeitung (die mit dem Zürcher Wappen) der Vergangenheit an.
Ein Schweizer Journalist fand im Internet ein simpel programmiertes Spiel, das verdächtig viele Parallelen zum Flug 1549 der US Airways aufweist. Angepriesen wurde die banale Applikation wie folgt: „Beide Triebwerke sind aus. Das Flugzeug ist zu tief und zu langsam um den Flughafen zu erreichen. Du entscheidest dich für eine Notlandung im Fluss“.
Der wahrscheinlich an chronischer Unterforderung leidende Arbeitnehmer und Journalist fand diesen Sachverhalt praktisch genau so schlimm, wie die Schandtaten vom verurteilten Fritzl oder Tim K. Im Klartext: Total unethisch und verwerflich. So verwerflich, dass es für einen kurzen Artikel im Onlineformat des Mediums reichte. Wie kann man einem Superhelden wie Sully nur so etwas antun, fragt der Journalist. Wahrscheinlich konnte ihm sein Ethikkurs an der Migros Clubschule dabei nicht weiter helfen.
Und was sagt Kommandant Sullenberger selbt dazu? Klar, an jeder zweiten Pressekonferenz hört man ihn sagen: „Naja, der Aufprall der Vögel, der totale Triebwerksausfall, der Gleitflug, die Notwasserung sowie die anschliessende Evakuierung konnte ich psychisch gut wegstecken. Aber dieses Online-Game treibt mich an den Abgrund meiner zerbrechlichen Psyche! Nur wegen diesem ,schrecklichen‘ Spiel leide ich unter Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS)“.
Das stellt sich der übertriebene Menschenfreund und Journalist nun mal so vor. Es ist schrecklich, dass Leute, die die öffentliche Meinung (mit)beeinflussen, nicht einmal den Unterschied zwischen Ethik und Moral kennen. Zudem werden Bagatellen zu einer Brisanz herauf stilisiert, die eigentlich keinen Nachrichtengehalt haben.
Wahrscheinlich war der Programmierer dieses Spiels ein armer Informatikstudent, der durch dieses Spiel sein Taschengeld etwas aufpolieren und der Besatzung von Flug 1549 einen Tribut zollen wollte.
Wie schrecklich dieses Spiel wirklich ist, kann jeder Leser nun selber entscheiden. Ich sage nur:
„Brace for Impact“!