Alexi Murdoch
Der Philosoph, aus dem ein Musiker wurde
Wenn er die Bühne betritt, sind die Gäste plötzlich still. Wenn es den amerikanischen Traum wirklich gibt, dann lebt ihn der schottische Songwriter Alexi Murdoch. Durch Kultmoderator Nic Harcourt wurde Murdoch auf einen Schlag bekannt. Er verzichtete auf einen ruhmreichen Plattenvertrag um mit Gelassenheit in den Tag zu leben.
Alexi Murdoch wurde am 27. Dezember 1972 in London geboren. Aber schon bald zog es die Familie nach Schottland, wo Murdoch seine Jugend verbracht hat und sich nach einer langen Odyssee heute wieder niedergelassen hat. Er fühlt sich durch und durch als Schotte, auch wenn er einen grossen Teil seines Lebens in den USA verbracht hat. Anfänglich sang Murdoch lieber mit amerikanischem Dialekt. Doch im Laufe der Zeit fühlte sich das nicht mehr authentisch an. Gelegentlich scherzt Murdoch, das wenigstens der Dialekt seines griechischen Vaters nicht in seiner Musik durchdringt.
„Es braucht eben eine Weile, bis man seine Angst überwindet, die eigene Stimme zu entdecken“, erzählt Murdoch. Schon im Alter von siebzehn Jahren begann er seine eigenen Songs zu schreiben. Inspiriert wurde er von Pink Floyds Kultalbum „The Wall“. Aus heutiger Sicht bezeichnet er die damals komponierten Songs als Schrott. Einerseits glaubt er ein durchschnittlicher Gitarrist zu sein, der andererseits auch nicht mit einer aussergewöhnlichen Stimme gesegnet ist. Sein Geheimnis verrät er uns aber doch. Ein Lied muss seiner Ansicht nach eine einfache Melodie haben und lebt durch die Lyrics. Meist bleibt er bei der ersten Fassung seiner Songs.
Ein musikalisches Genie wird zufällig entdeckt
Nach seiner Jugendzeit in Schottland studierte Murdoch an der amerikanischen "Duke University" Philosophie und Literatur. Ursprünglich strebte der Brite während seiner Studienzeit eine Karriere als Schriftsteller an. Nach seinem Studium befand sich Murdoch aber in einer Identitätskrise und wusste nicht, wie er sich beruflich entwickeln soll. Er folgte seiner Freundin nach Los Angeles. Während dieser Lebensphase sollte eine Camping-Tour sein Leben auf den Kopf stellen.

Murdoch bezeichnet sich als Mensch, der nicht an die Zukunft denkt, sondern im Hier und Jetzt lebt (zvg)
„Ein Freund hat mich eines Abends wohl Singen gehört. In der folgenden Woche kam er auf mich zu und fragte, ob er mich managen könnte. Ich fragte weshalb und er antwortete: ‘Wegen deiner Musik, man!’“, erinnert sich Alexi. Seinen eigenen Worten nach habe dieses Ereignis ihn zu einer musikalischen Laufbahn ermuntert. Nie hätte er gedacht, dass seine Musik Menschen begeistern könnte. Langsam trat er in kleineren Lokalen auf. Eine junge Frau erinnert sich in einem Blog, dass sie nach der Arbeit mit Kollegen in einer Bar um die Ecke etwas trinken wollte. „Die Bar war proppenvoll, es war laut und die Stimmung ziemlich hektisch. Doch ein Sänger mit schottischem Dialekt konnte die Gäste durch eine witzige Rede in seinen Bann ziehen. Als er dann zu Singen begann, waren plötzlich alle still wie in einer Bibliothek. Das habe ich noch nie zuvor erlebt“, schwärmt die Frau.
Ein weiterer Zufall verhilft zum Durchbruch
Eines Tages traf Murdoch zufällig den amerikanischen Kultmoderator Nic Harcourt des legendären Radiosenders KCRW. Dieser hat schon so manch einem Newcomer zum internationalen Durchbruch verholfen. Eigentlich wollte Harcourt lediglich das Konzert von „East Mountain South“ sehen, mit dessen Bandleader Alexi Murdoch gut befreundet ist. So spielte Murdoch vor dem Konzert einige Songs, die Nic Harcourt begeistert haben. Nach dem Kurzauftritt wollte er unbedingt mit Murdoch sprechen und erhielt obendrein noch ein Demo-Tape vom charismatischen Wahl-Schotten. Am nächsten Tag war dieses Tape für mehr als einen Monat auf KCRW zu hören.

Alexi Murdoch hat gut Lachen, denn fortwährend entdecken Menschen seine zeitlose Musik (zvg)
Die Besucherzahlen auf Alexis Website schnellten im Nu in die Höhe und bescherten dem Sänger im Grossraum Los Angeles Bekanntheit. „Von da an ging alles sehr schnell. Nach einer Woche lud mich Harcourt für einen Live-Auftritt in die Sendung ‘Morning Becomes Eclectic’ ein“, sagt Murdoch. Danach ging alles Schlag auf Schlag. Seine Stücke wurden plötzlich in der Erfolgsserie Dawson’s Creek gespielt und erhöhten seine Bekanntheit landesweit. Ironischerweise musst sich Alexi Murdoch die entsprechenden Episoden bei einem Freund anschauen, weil er keinen Fernseher besitzt. „Die haben meinen Song ganz zum Schluss der Folge für knappe fünf Minuten am Stück gespielt. Genau dann, wenn die Gefühlswelt der Protagonisten ins Wanken gerät“, erinnert sich Murdoch.
Danach steigerte sich der Verkauf seiner EP "Four Songs", die Alexi im Jahre 2002 im Alleingang veröffentlicht hat, enorm und selbst Fanbriefe aus Kanada erreichten den Songwriter. Danach standen die Plattenfirmen vor Alexis Haustür Schlange, um ihn unter Vertrag zu nehmen. „Ich realisierte aber, dass ich trotz der tollen Angebote doch lieber mein eigenes Ding machen wollte – unabhängig“, fügt Murdoch hinzu. Alexi verrät, dass Produzenten und andere Leute im Musikgeschäfte einem andauernd einbläuen, man müsse in seine Musik 'eintauchen' und herausfinden, in welche Richtung man gehe. „Ich verstehe, dass wir alle den Wunsch nach Kategorisierung hegen, aber wenn du so anfängst zu denken, begrenzt du dich selbst“, glaubt Murdoch. Bis anhin hat er noch keinen Stilrichtung gefunden, in die sich seine Musik einordnen lässt.
Seine Musik schaffte es übrigens neben Dawson's Creek in weitere namhafte TV-Serien und Kinofilme. Der Schauspieler und Regisseur Zach Braff, bekannt als J.D. aus Scrubs, wollte den Song "Orange Sky" um jeden Preis für seinen Film "Garden State" verwenden. 2006 veröffentlichte Murdoch sein elf Titel starkes Album "Time Without Consequence". Allein in den USA wurde der Tonträger rund acht Millionen Mal verkauft. Als weiter Meilenstein bezeichnet Murdoch die Zusammenarbeit mit Filmregisseur Sam Mendes für den preisgekrönten Film "Away We Go". Murdoch komponierte neun Tracks für den Soundtrack, der ebenso von ihm 2009 zusammengestellt wurde.
Sein Leben verbringt Alexi Murdoch zwischen New York und einem kleinen Haus an der Westküste Schottlands. Und genau dort schreibt er in einem kleinen Segelboot seine Songs für das neue Album "Towards the Sun", das durch seine eigenes Lable "Zero Summer Records" im Jahr 2011 veröffentlicht wird.
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