Marc Cohn Live
Marc Cohn Live
Marc Cohn (Rock)
Jeder hat bestimmt schon mal den Song „Walking In Memphis“ gehört, ohne ihn wirklich zu kennen. Hinter diesem Song steht der in Cleveland geborene Songwriter Marc Cohn. Im Jahre 2005 machte Cohn mehr mit einem glimpflich verlaufenen Kopfschuss, als mit seiner Musik Schlagzeilen. Nur wenige Monate zuvor wurde dieses Album aufgenommen.
Marc Cohn überzeugte mit dem gleichnamigen Debütalbum in den 90er-Jahren und machte damit Piano-Pop wieder salonfähig. Seine Songs klingen handgemacht, die Texte regen zum Nachdenken an und beim Refrain singt auch der Typ in der letzen Reihe mit. Die Musik klingt wie aus den 60ern, sein Gesang hingegen erlaubt Rückschlüsse auf musikalische Einflüsse aus den Siebzigern. Denn mit seiner einfühlsamen und zugleich rauen Stimme ist Cohn für Rockballaden geboren.
Das Live-Album „Marc Cohn Live 04/05“ vereint all diese Eigenschaften in rund siebzig Minuten Spielzeit und sorgt für Hörspass par Excellence. So manches Lied geht tief unter die Haut. Meiner Ansicht nach vor allem jene, in denen er in die Tasten seines Pianos haut und seine Gitarre folglich links liegen lässt. Sein Klassiker „Walking in Memphis“ kommt einem emotionalen Befreiungsschlag gleich, der bei keinem Road Trip fehlen darf.
Wer dann doch dem Blues näher steht, der dürfte bei „Shadow“ ganz auf seine Kosten kommen. Wie bei vielen anderen Songs zeigt Cohn auch hier sein Gespür für perfekt getrimmte Songs, kombiniert mit der Liebe zum Detail. „Silver Thunderbird“ macht dem Hörer klar, dass er es bei Marc Cohn nicht nur mit einem unglaublich versierten Storyteller zu tun hat, sondern mit einem Komponisten, dessen Songs direkt unter die Haut gehen. Genauso ergeht es dem Hörer beim Liebesgeständnis namens „True Companion“.
Diese Songs reichen um sich in das Album und die Konzerteigenschaften Cohns zu verlieben. Die letzten drei Titel „Things We‘ve Handed Down“, „One Safe Place“ und „Stranger In A Car“ lassen dich in eine nie zuvor gekannte Welt voller Wärme, Aufrichtigkeit und Schlichtheit eintauchen, die man am liebsten niemals verlassen möchte. Aber genau dann hat das Album das Ende seiner Spielzeit erreicht. Wie bei einem guten Buch, das einen über Tage oder Wochen hinweg begleitet hat, geht es voller Wehmut zu Ende.
Selbst für ein Buch mag das selten sein, aber dass dieses Gefühl auch bei einer CD entstehen kann, war für mich bis zu „Marc Cohn Live 04/05“ neu. Das Album ist für mich das Schmuckstück unter all denen, die ich mir im Jahr 2008 gekauft habe. Thank you Mr. Cohn!
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